Video und Altglas


Langsam filme ich fast mehr, als dass ich fotografiere - ich bin schon froh, dass ich wenigstens ein Foto vom Auftritt von Bloody Ernesto vom 27. Dezember habe.
Diesmal habe ich wieder zwei "Newbies" am Set dabeigehabt. Zwei stationäre Kameras links und rechts, ich selbst mit der E-M1 MarkII mit dem 14-35 f/2, der eine Kollege mit einer E-M1 mit dem Panasonic 15mm 1,7 und der andere Kollege mit der E-M1 und Altglas. Einem OM 50mm mit Metabones Speedbooster.

Mein Fazit daraus: Man nehme sein Altglas und befestige es sicher in der Vitrine. Araldit hat sich dabei bewährt. Ich habe früher selbst mit dem OM 50mm 1,4 gefilmt und war der Meinung, das ginge prima, ich habe es auch mehrfach in meinen Büchern empfohlen.
Es kann sein, dass das für romantische Bilitis-Streifen eine feine Sache ist. An der Bühne hat das Altglas nichts zu suchen. Der Unterschied zwischen dem alten OM und dem 14-35 (OK, das ist ein bisschen unfair) schon bei FullHD ist erschütternd. Sobald ein bisschen Licht ins Objektiv scheint, ist es völlig am Ende. Da muss man in der Post gewaltig dran rumschrauben, dass das nicht sofort negativ auffällt.

Mein LS-P2 hat auf jeden Fall seine Bewährungsprobe bestanden. Nachdem der Abzug vom Mischpult mal wieder nicht geklappt hat, war der eigentlich als Backup gedachte PCM-Recorder die einzig brauchbare Tonquelle. Konservativ wie ich bin, habe ich die manuelle Aussteeuerung wieder auf 3 gestellt, ich habe keine Clippings bekommen und das nächste mal versuche ich es mit 4....

Hier auf jeden Fall noch ein Lied von Bloody Ernesto: Somewhere up the Western Coast.

Bloody Ernesto live: Somewhere up the Western Coast from Reinhard Wagner on Vimeo.

Kommentare

  1. Kann ich (fotografisch) absolut bestätigen. Auch als (früher bekennender) Altglasfan habe ich erfahren müssen, dass die "schönen Teile" nichts an einer E-M1 zu suchen haben - jede mFT-Linse ist hier besser geeignet.
    An einer Kamera mit "Kleinbild-Sensor" war dies in meiner Vergangenheit anders - die alte EOS 5D steht aber jetzt (zu Recht - Nutzungsquote gegen Null) mit dem Altglas in der Vitrine.
    LG
    Rudolf

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  2. Reinhard, ich habe angefangen mich für Video zu interessieren. Wie machst Du Color Correction und Color Grading mit den Aufnahmen aus den Olympus Kameras? Mit welchem Farb Profil in der Kamera machst Du die Aufnahmen? Soweit ich weiß, hat nur die E-M5 II ein log/flat Farbprofil für Video Aufnahmen. Ein Blog mit ein paar Hinweisen, was man bei OMDs/Pens für Video manuell einstellen sollte, wäre klasse.

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    1. Da kann man viel dazu schreiben, das Meiste dazu habe ich in meinen neueren Büchern (PDFs) geschrieben, da gibt's ein Riesenkapitel dazu. Ist viel zu viel für einen Blogbeitrag. Ganz kurz: Ich verwende das "Flat-Profil" nicht. Warum? Es ist 8bit - und JEDE Farbkorrektur an 8 bit reduziert die Anzahl der Farben im Endprodukt. Ich reduziere also die Qualität meines Videos. Das kann man machen, wenn man auf entsättigte Retro-Looks steht. Aber normalerweise will ich jede Farbinformation behalten, die ich kriege. Ich filme normalerweise so, dass der Output aus der Kamera bereits zum Endprodukt passt. Ich stelle alle Kameras auf einen korrekten - gleichen Weißabgleich ein. Alle Kameras arbeiten mit gleicher Belichtungszeit und wenn irgend möglich, gleicher Blende. Meistens arbeite ich mit "Natural", es sei denn, ich will einen speziellen Look im Film haben. In so einem Fall versuche ich, mir mehrere PEN-Fs zu leihen und dort den Look entsprechen einzustellen. Den "Flat"-Modus der E-M5II verwende ich nur dann, wenn ich nur mit einer Kamera filme und extreme Hochkontrastszenen habe. In diesem Fall ist der Modus nützlich. Aber im Normalfall - so ich meine Kamera korrekt einstelle - brauche im im Nachhinein nicht mehr an der Farbe oder den Kontrasten rumschrauben. Erfordert halt eine gewisse Vorstellung über den Look des Films, bevor man mit dem Drehen anfängt.

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  3. Man darf dabei nicht außer acht lassen, daß die alten OMs für Kleinbild berechnet wurden, d. h. für einen Zerstreuungskreis von 0,030 mm, aufgrund der halben Kantenlänge des mft-Sensors beträgt der Zerstreuungskreis 0,015 mm, ebenso ist eine höhere Auflösung von Nöten. Es war noch nie eine gute Idee Objektive für ein größeres Format an einem kleineren zu verwenden. Früher gab es bei Pentax die Möglichkeit per Adapter die zur 67 gehörenden Objektive zu verwenden, was auch zu schlechteren Ergebnissen bei KB geführt hat. Mittelformat hat allenfalls 0,050 mm, bei 6x7 sogar nur 0,059 mm und natürlich eine entsprechend niedrigere Anzahl an auflösbaren Linienpaaren je mm.
    Der Test bestätigt nur die alte Erfahrung,ausschließlich die Objektive zu nutzen, die auch für das entsprechende Film/Sensor-Format berechnet wurden.
    Daher bin ich bisher auch nicht auf die Idee kommen, meine alten Pentax-Objektive an meine mft-Oly-Gehäuse zu adaptieren.

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    1. Leider hast Du bei Deinen Berechnungen einen kleinen Fehler drin. Der zulässige Zerstreuungskreisdruchmesser berechnet sich nicht nach der Kantenlänge des Sensors sondern nach der tatsächlichen Pixelgröße. Wir reden hier über Full-HD auf mFT: Der Zerstreuungskreisdurchmesser ist hier nicht 0,015mm, sondern 0,017mm (1980 Pixel auf 17,3mm) bzw. er wäre das, wenn die Kamera Pixel-Binning machen würde. Macht sie aber nicht. Sie arbeitet mit Einzelpixeln. Und da ist der zulässige Zerstreuungskreisdurchmesser eben 0,007mm. Und damit ist eben das Altglas meistens überfordert - vor allem, wenn, wie hier, Offenblende gearbeitet wird. "Meistens" deshalb, weil es durchaus auch zu Kleinbildzeiten Objektive gab, die im mittleren Bereich (Sweet Spot) mithalten konnten. Aber die haben dann richtig Geld gekostet.
      Ich habe übrigens ein altes Pentax 50mm 1,7 an meine Olys adaptiert und gute Ergebnisse bekommen - und auch ein Orestor, ein altes Trioplan oder ein Enalyt - kann man nicht maulen. Für Foto. Nicht für Video. Warum, sieht man oben. Beim Foto sieht man sich das ganze Foto an (Betrachtungsabstand=Bilddiagonale)und dann reicht ein Durchmesser von 0,015mm. Aber bei FullHD wird ein Bewegtbild von 2MP auf Bildschirmgröße aufgeblasen. Und da sieht man alles.
      In diesem Fall kommt vor allem noch hinzu, dass die alten Objektive brutal empfindlich gegen Streulicht sind. Da hat sich in den letzten Jahrzehnten halt doch ein bisschen was getan. (Was aber auch nichts mit der Berechnung der Objektive für das entsprechende Filmformat zu tun hat.)

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    2. Da ich nur die Zerstreuungskreise für Foto nicht für Video parat habe, habe ich mich diese bezogen, daß sich das bei Video ohne Pixel-Binning verschärft, ist klar.
      Die meisten 1,4er litten über Jahre das Problem erhöhter Streulichtempfindlichkeit und grundsätzlicher Kontrastarmut bei offener Blende. Ein Problem, daß die 1,7er nicht hatten. Ein Hauptgrund, warum ich seinerzeit nicht das 1,4er, sondern das 1,7er von Pentax erworben habe und auch damals den meisten Leuten vom Kauf eines 1,4er abgeraten habe.
      Unabhängig davon ist es schon erstaunlich welche Videoqualität man mittlerweile bei normalen Fotokameras bekommt. Auch wenn man 4444 ProRes einer ARRI daneben stellt.

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  4. Schon mal was von den OM Zuikos 2.0/50 Macro, 2.0/90 Macro, dem OM 2.0/100er, bzw. dem 4.0/80 und dem 4,5/135 Macro am Autotubus gehört, deren Auslösungsvermögen locker für die MFT - Sensoren ausreicht. Zumal diese Sensoren ja auch nur die Sahnebereiche der OM Objektive abbilden. Ausserdem zeigten diese Zuikos zu Analogzeiten ja schon ihre Leistung an SW-Filmen, wie etwa dem hochauflösenden Kodak TP2415. Das OM 2.0/50 Macro steht dem FT Zuiko 2.0/50 Macro kaum nach. Nur der Kontrast ist bei dem FT 50er etwas höher. Ich jedenfalls bin mit dem OM - "Altglas" sehr zufrieden. Soviel dazu.

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    1. Das Problem ist, dass die richtig guten Altgläser - die es ja gibt - mittlerweile auf dem Preisniveau von FT-Gläsern liegen - und darüber. Aber eben trotzdem von der Vergütung her nicht mithalten können. Und gerade Kontrast und Streulichtempfindlichkeit sind eben an der Bühne wichtig. Wir hatten vor vielen Jahren mal das Pana 20mm Pancake an der Bühne und nichts als Ärger damit, obwohl es eigentlich eine mFT-Linse ist. Aber die Linse ist so auf Kontrast optimiert, dass die Lichter viel zu früh ausgefressen sind. Das fällt nicht auf, wenn man damit knipst, aber in einer Multicam-Umgebung ist das ein NoGo.
      Nochmal: es geht hier um Video in Multicam-Umgebungen. Ich bin außerordentlich interessiert an Erfahrungen von anderen. Zeigt eure Videos mit drei bis fünf Kameras und gemischtem Glas. Ich bin auf der Suche nach preiswerten, parfokalen Zooms, die ich in eine solche Umgebung integrieren kann. Aber ich wäre eben scharf auf Anwendungsbeispiele.

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