Zum Thema Internetmythen: die E-M1 als "Batteriefresser"

Seit die E-M1 herausgekommen ist, überschlagen sich die Postings in den Internetforen über alle möglichen Probleme mit der Kamera. Eines der größten Probleme scheint zu sein, dass die Kamera unglaublich Strom verbrauchen würde. Einige machen mit einem Akku bis zu 1000 Bilder, bei anderen ist schon bei 150 Bildern oder noch weniger Schluss - logisch: die Kamera ist Schuld.


Ein paar Dinge sollten vorab klar sein: dass die eine Kamera bis zu fünfmal mehr Strom zieht, als die andere, ist schlicht nicht möglich. Ein solcher abnormer Stromverbrauch ist nur möglich, wenn die Kamera intern einen Kurzschluss hat. Dann hat die Kamera aber ein ganz anderes Problem als den Stromverbrauch.
Zusätzlich: wenn der Akku auf einmal den fünffachen Strom liefern soll, wird die ganze Sache so heiß, dass der Fotograf die Kamera vermutlich wie die berühmte Kartoffel fallen lässt.

Es gibt zwei Gründe für die krass unterschiedlichen Laufzeiten: Der eine fotografiert bei Zimmertemperatur, der andere draussen knapp am Gefrierpunkt. Unter 10°Celsius geht die Kapazität der Li-Ionen-Akkus steil nach unten. Der zweite mögliche Grund: der Kamera ist es ziemlich egal, ob sie ein Foto macht, oder nicht. Was Strom frisst, ist der Betrieb selbst. Und da ist eben nach etwa 3 bis 4 Stunden das Ende erreicht. Es ist dabei ziemlich egal, ob man währenddessen 800 Bilder macht, oder nur zehn.

Olyver aus dem Oly-forum hat sich jetzt mal die Mühe gemacht, und nachgemessen, was nun die verschiedenen Features der Kamera durchschnittlich an Strom benötigen.

  • Bildstabilisator: 60mA
  • Auslöseverzögerung kurz: 60mA
  • interner Blitz lädt: 270mA
Dazu kommt jeweils noch der Normalbetrieb:
  • Kameradisplay an: 320mA
  • Kameradisplay gedimmt: 310mA
  • Kameradisplay aus, Hintergrundbeleuchtung an: 310mA
  • Kameradisplay aus, Hintergrundbeleuchtung aus: 300mA
  • Kamerasucher an: 330mA
  • VF-4 an: 400mA
Das ist also Normalbetrieb. Wenn man so noch an der Kamera rumspielt, braucht das natürlich auch Strom - aber wesentlich weniger, weil eben der Sensor nicht versorgt werden muss. Sobald der Sensor wieder eingeschaltet wird (bei der Fernsteuerung etwa), steigt der Stromverbrauch wieder.
  • Bildwiedergabe: 220mA
  • Menü: 220mA
  • WiFI: 230mA
  • WiFI verbunden: 240mA
  • WiFI verbunden, Display dunkel: 220mA
  • WiFi verbunden: Bilderübertragung: 230mA
  • WiFi verbunden: Fernsteuerung: 330mA
  • WiFI verbunden: LiveTime: 400mA
  • LiveTime Belichtung: 260mA
  • LiveTime DarkFrame: 240mA
Und nun noch der Autofokus-Betrieb. Der braucht zusätzlich zum Normalbetrieb natürlich Strom. Und zwar:
  • mit dem mFT 17mm: 30mA
  • mit dem FT 14-35: zwischen 10mA und 270mA
  • mit dem FT 150mm: zwischen 10mA und 70mA
Nun kann man sich seine persönliche Verbrauchsberechnung anstellen. Wenn man mit eingeschaltetem und aktivem Bildstabi (Sucherstabilisierung) und kurzer Auslösverzögerung (die den Verschluss vorspannt) über den VF-4 dauernd das 14-35 von 0 auf Unendlich und zurück fahren lässt, dann braucht die Kamera  60mA+60mA+400mA+270mA = 790mA. Wenn man das Spielchen eineinhalb Stunden lang macht, dann ist der Akku leer, ohne ein einziges Bild - und wenn man vorher den Akku bei -18° in die Gefriertruhe legt, dann macht die Kamera schon nach ein paar Minuten schlapp.

Da diese Kamera aber eigentlich dazu dient, Fotos zu machen, ist es eventuell sinnvoller, damit rauszugehen und zu fotografieren....

Das hier kommt so wie es ist aus dem "PhotoStory"-Modus. Das ist übrigens die Gegend, in der ich derzeit mein neues Studio aufbaue.....
Und das Foto oben ist Tom auf der Hornisgrinde im Schwarzwald... Dramatic Tone - auch sowas, was ein ernsthafter Fotograf nicht anfasst.... ;-)

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